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Tipps für Sammler

Hinweise und Tipps

Wertpapiere richtig aufbewahren

Historische Wertpapiere haben oft Jahrzehnte irgendwo auf Dachböden, in Schränken oder gar in alten Tresoren überdauert.

Nicht nur in dieser langen Zeit bis zu ihrer Wiederentdeckung können alte Wertpapiere Schäden erlitten haben. Ihr „Leidensweg“ beginnt oft erst durch die unsachgemäße Behandlung und Aufbewahrung bei Händlern und später leider auch bei vielen Sammlern.

Daher wollen wir Ihnen einige Ratschläge für die richtige Aufbewahrung Ihrer Wertpapiere geben. Dabei gehen wir insbesondere auf die Hüllen ein, in denen der engagierte Sammler seine Wertpapiere lagern sollte. Hüllen gibt es in vielen Ausführungen. Aber worauf sollte man achten?

Was schadet meinem Papier?

Zunächst schadet sich das Papier unter Umständen selbst!

Der Papier-Alterungsprozess kann in zwei „Schadens-Gruppen“ untergliedert werden:

1. Exogene Alterungsursachen

  • Beschriftung mit Tinte und der Druck - z.B. Tintenfraß, Zersetzung von Druckfarben, Oxidation von Druckfirnissen ...

  • Umwelteinflüsse wie z.B. Feuchtigkeit / ungünstiges Raumklima, Licht / starke Beleuchtung, Temperaturschwankungen, Staub, Insekten, Bakterien, Pilze, mechanische Beanspruchung, Handschweiß, Oxidation mit dem Luftsauerstoff und Einwirkung von Säure-Ionen!

2. Endogene Alterungsursachen:

Säurebildung = der im Papier vorgehende Zersetzungsprozess auf Grund hydrolytischen und oxidativen Reaktionen, die sich gegenseitig beeinflussen. Verursacher sind die bei der Papierherstellung verwendeten Chlor- und Leimsubstanzen im Papier. Das Papier vergilbt und wird spröde.

Die zusammentreffenden Schadensquellen verstärken sich gegenseitig und übertragen sich gleichzeitig auch auf noch unbefallene Papiere!

Woran kann ich erkennen, dass eine Hülle meinem Papier nicht schadet?

Grundregel für Laien: Je unbiegsamer, kratzanfälliger und härter eine Hülle ist, umso besser ist diese für die Aufbewahrung von Papieren geeignet. Man spricht bei der besten Qualität von archivbeständigen Klarsichthüllen.

Hüllen dürfen mit der Zeit nicht beschlagen, d.h. keinen nebligen Belag erzeugen, der leicht, z.B. mit einem Tuch entfernbar ist. Dieser Belag ist eine Folge chemischer Reaktionen eines oft bei der Produktion auf der Folien-Oberfläche aufgetragenen Gleitmittels und / oder das Ausdünsten von Weichmachern!

Ferner dürfen die Hüllen mit der Zeit nicht an Stabilität verlieren oder gar an Form, wie es häufig bei weichen Hüllen der Fall ist. Auch dies ist eine Folge hohen Säure- und Weichmachergehalts.

Weichmacher in Klarsichthüllen

Was heißt weichmacherfrei eigentlich ?

Weichmacher sind organische Substanzen, die Kunststoffen zugesetzt werden, um deren Flexibilität, Weichheit, Dehnbarkeit u.a. zu verbessern.

 

Je unbiegsamer, kratzanfälliger und härter eine Hülle ist, umso geringer ist der enthaltene Weichmacheranteil. Ganz ohne die Verwendung von Weichmachern können Klarsichthüllen jedoch nicht produziert werden, da sie sonst bei der geringsten mechanischen Beanspruchung zerbrechen würden.

Als weichmacherfrei bezeichnet man daher Hüllen, die geringst mögliche Weichmacheranteile enthalten.

Hüllen aus dem Bürobedarfs-Handel werden oft als weichmacherfrei gekennzeichnet. Um die Folien solcher Hüllen flexibel und weich zu machen, setzt man bei deren Produktion Säuren ein. Diese Substanzen verleihen dem Kunststoff gleiche Eigenschaften in Dehnbarkeit und Weichheit, wie es sonst Weichmacher tun.

Sollte ich weiche, aber als weichmacherfrei bezeichnete Hüllen verwenden ?

Auf keinen Fall, da die Weichheit der Hülle stets durch einen sehr hohen Anteil an Weichmacher oder Säure (als Weichmacher-Ersatz) erzeugt wird. Beide Substanzen schaden dem Lagergut, also den Papieren.

Zur Verdeutlichung: Klebeband (als ein Extrem) enthält sowohl in der Folie als auch im Leim einen sehr hohen Weichmacher- und / oder Säuregehalt. Die Folgen: irreversible Schädigung und Schwächung der Cellulose verbunden mit Farbveränderungen. Das Papier weist ölige, fettige Schadstellen auf, wo sich das Klebeband befindet oder befunden hat.

Sollte ich Hüllen mit einem eingeschobenen Karton verwenden ?

Dies ist sehr empfehlenswert, wenn es sich um einen ph-neutralen Karton handelt. Alleine schon, um die mechanische Beanspruchung des in die Hülle eingelegten Papiers z.B. beim Umblättern der Hülle zu vermeiden. Weiche Hüllen, die oft nur mit einer schwarzen Innenfolie versehen sind, bieten dagegen keinen Schutz vor Knicken. Die eingelegten Papiere werden beim Umblättern solcher Hüllen auch stets mechanisch beansprucht.

Der erwähnte Karton muss in der Lage sein, im Papier sich bildende saure Verbindungen zu neutralisieren. Er dient so als eine Art „Pufferstoff“, zum Ausgleich des oft hohen ph-Wertes des Wertpapiers.

Welche Informationen kann ich von Händlern erwarten ?

Leider keine, denn viele Händler sehen dieses Thema sehr locker und vertreiben Klarsichthüllen und Kartoneinlagen (wenn überhaupt) ungeprüft. Das günstigste Angebot eines Lieferanten kommt dabei zum Zuge. Und schließlich will ja jeder Verkäufer selbst mit dem günstigsten Angebot im Markt aufwarten.

Also Vorsicht: Die meisten Händler können bei den von ihnen angebotenen Hüllen überhaupt keine Aussagen zu deren Eigenschaften machen. Sie verlassen sich selbst nur auf die Angaben ihrer Lieferanten, die ihre Hüllen als weichmacher- oder säurefrei anpreisen.

Nur sehr wenige Produzenten können überhaupt die für unser Sammelgebiet geeigneten Klarsichtfolien herstellen! Der sich daraus ergebende Nachteil: Die verwendeten Materialien und die kompliziertere Herstellung machen leider die für unseren Zweck geeigneten Klarsichthüllen teurer als es herkömmliche Hüllen sind.

Auf was sollte ich bei einer Sammelmappe achten ?

Die Alben sollten vor allem Licht, Schmutz und andere Umwelteinflüsse vom Sammelgut fernhalten. Sie sollten leicht zu handhaben sein und vor allem dauerhaft beständig. Die verwendete Außen- und Innenhaut des Ringbinders sollte also nicht verkleben, was auf eine chemische Reaktionen bei Kunststoffen unter Umwelteinflüssen zurückzuführen wäre.

Vor allem aber sollten die aufzubewahrenden Wertpapiere keinem dauerhaften Druck, z.B. durch Überfüllung des Albums oder das Stapeln unmäßig vieler Alben übereinander, ausgesetzt sein.

Zum Schluss sollte ich auch bedenken ...

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die lose Aufbewahrung von Wertpapieren in Papp-Foldern besonders schonend ist. Papier ist nicht gleich Papier! Auch ein Karton-Folder muss ähnliche Eigenschaften wie eine Klarsichtfolie aufweisen. Siehe Hinweise weiter oben!

Ein Album und die richtigen Hüllen bilden immer die Grundlage für eine optimale Aufbewahrung einer wertvollen Sammlung. Der Sammler muss aber auch für eine optimale Klimatisierung des Archiv-Raumes sorgen. Empfohlen werden 19-20 Grad bei möglichst 40% relativer Luftfeuchtigkeit. Eine Aufbewahrung auf dem Dachboden oder im Keller sollte man also tunlichst vermeiden, wegen der starken Klimaschwankungen! Auch Licht schadet, nicht nur Sonnen-, sondern auch künstliches Licht!

 

© Historisches Portfolio, Ralf Hell

www.historisches-portfolio.de